“Sag mal, Papa, wie war das so, als man noch jede Website besuchen durfte, die es gab?”
Wir schreiben das Jahr 2021. Die Menschheit ist bis ins letzte vernetzt und hochtechnologisiert. Jeder Mensch ist direkt und überall mit jedem anderen Mensch auf der Welt in Verbindung. Die Krankenversicherungen erhalten in Echtzeit Gesundheitsdaten von jedem Versichertem. Risikofälle können so sofort erkannt und behandelt werden.
Arbeitgeber verfolgen ihr Mitarbeiter per Echtzeitüberwachung auf Schritt und Tritt um Fehlverhalten direkt unterbinden zu können.
Doch die wohl mächtigste Institution zu dieser Zeit ist der Bundestag. Dieser kann jeden Bürger überwachen. Standort, Tätigkeit, Kleidung, Gespräche, Internetnutzung und so weiter können per Klick auf einem Monitor mitgelesen werden. Alles im Namen der Sicherheit natürlich.
Und all das begann mit dem ersten Bruch des Grundgesetzes, der direkt durch den Bundestag beschlossen wurde. Am 18. Juni 2009 hat der Bundestag beschlossen den Artikel 20 des Grundgesetzes zu umgehen. Es sollte eine Liste mit Internetseiten eingeführt werden, die für Internetbenutzer gesperrt sind. Die Liste ist geheim und soll angeblich nur Internetseiten mit Kinderpornografie enthalten. Doch kein Gericht bestimmt, welche Seiten auf diese Liste gesetzt werden, sondern Ermittler der Landeskriminalämter. Damit wurde die Gewaltenteilung umgangen. Im selben Jahr noch wurden weitere Arten von Internetseiten gesperrt. Seiten, die brutale Computerspiele beinhalten, bewerben oder in einer anderen Form darstellen waren als erstes betroffen. Anschließend Seiten, die die Regierung in irgendeiner Form kritisieren oder Widerstand gegen eben diese zeigen. 2011 verschwanden Seiten mit allgemeinen pornografischen und erotischen Inhalten. Zum ersten mal wurde hierfür weder ein Gesetzt erlassen, noch wurde die Öffentlichkeit vorher darüber informiert.
Seit 2015 gibt es keine Liste mit gesperrten Seiten mehr. Nur noch eine Liste mit erlaubten Seiten, da es mittlerweile mehr gesperrte Internetseiten gibt, als zugängliche.
“Tja, mein Sohn… Das waren noch Zeiten. Das Netz wurde von Leuten regiert, die sich damit auskannten. Man konnte tun und lassen, was mann wollte. Jeder hatte das Recht seine Meinung zu äußern und die Meinung anderer einzusehen. Und man durfte das Netz auch zum Spielen benutzen.”
“Und warum habt ihr zugelassen, dass es soweit kommt?”
“Wir hätten es nicht verhindern können. Über 130.000 Menschen haben ihren Widerstand offen gezeigt. Doch kein Politiker hat sich darum gekümmert. Unsere Meinung hat einfach nicht gezählt.”
In der Tat wurde im Jahr 2009 – als man online noch seine Meinung vertreten durfte – eine Onlinepetition gestartet, die sich gegen die Internetsperre aussprach. Leider schien die Meinung von 130.000 Menschen nicht zu zählen. Politiker, die keine Ahnung vom Internet – ja nicht mal von Computern – hatten, beschlossen, dass ihr Wille geschehe. Zu dem Zeitpunkt glaubte ein naiver Großteil der Bevölkerung noch, dass das geplante Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie diente, so dass es zu kaum weiteren Widerstand kam.
Doch weder half es gegen die Kinderpornografie, noch war dies das eigentliche Ziel der Internetsperre, die man ohnehin mit ein paar wenigen Klicks umgehen konnte.
“Naja, da kann man wohl nichts machen. Ich geh wieder spielen.”
“Mach das. Und vergiss nicht dein Gesicht immer offen zu haben, damit die Kameras dich erkenn können!”
Gedankenversunken schaut Max seinem Sohn hinterher, bevor er in den Keller geht, einen alten Rechner hochfährt und sich in einen längst vergessenen Chatroom einloggt.
"Hey Leute! Hat jemand nen aktuellen Kinofilm, den er mir schicken könnte? Thx..."
Carsten Ruhr
P.S.: Ich schreibe diese kleine Geschichte, weil morgen (am 18. Juni 2009) beschlossen wird, dass Seiten mit Kinderpornos blockiert werden. Dabei wird allerdings die Möglichkeit geschaffen auch andere Inhalte zu sperren und den Zugriff zu protokollieren. Hier nicht mehr von einer Zensur zu sprechen ist äußerst blauäugig.
Ganz nett, nur ist es nicht der Bundestag, der die Macht hat. Das wäre ja noch in Ordnung, der wird demokratisch gewählt.
Das BKA soll diese Macht haben, und damit die Exekutive, ohne daß der Bundestag, also unsere Vertretung, das kontrollieren können soll…
Hi!
Ich hab nicht geschrieben, dass der Bundestag bestimmt, wer auf die Liste kommt. Ich weiß jetzt zwar nicht, ob es das LKA, oder das BKA ist, aber es kommt auf’s selbe raus.
“Doch kein Gericht bestimmt, welche Seiten auf diese Liste gesetzt werden, sondern Ermittler der Landeskriminalämter.”
MfG, der Dac…
Naja, wenn man es genau nimmt, fing es bereits mit der Vorratsdatenspeicherung, dem Bka-Gesetz etc an.
Die Zensur ist “nur” ein weiterer Meilenstein, bei welchem endlich mal ein paar Leute wach geworden sind!
[...] http://whitestar.soup.io/post/21587250/Bild?sharedby=140769 http://dac-xp.com/der-tag-an-dem-das-internet-starb/ Tags: CDU, internet, iran, medien, pro7, rtl, sat1, SPD, unwählbar, verräter, [...]
Passt bloß auf, was ihr ier noch sagt, oder schreibt, sonst sitzt ihr bereits morgen hinter Gittern, wenn die euch bicht ehh sofort exekutieren, weil das sollte man mit denen, die am Vaterland zweifeln ;)